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StartseiteStand: August 2010
Moderne Hafeninfrastruktur für einen erfolgreichen Ausbau der Offshore-Windenergie
Diskussionspapier von Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin Bundesumweltministerium
Bis zum Jahr 2030 sollen in Deutschland 25.000 MW Offshore-Windenergie installiert sein. Im Jahr 2009 wurden mit der Inbetriebnahme von 12 Offshore-Windenergieanlagen im Testfeld alpha ventus 60 MW Offshore-Windenergie installiert. Um das Ausbauziel bis zum Jahr 2030 zu erreichen, ist ab heute eine jährliche Zubaurate von bis zu 1.500 MW erforderlich; dies entspricht der Installation von einer Windturbine pro Tag während der "Schönwetter-Saison" (etwa die Hälfte des Jahres).
Damit ein solches Ausbautempo erreicht werden kann, braucht es einer modernen Offshore- Hafeninfrastruktur. Dies bedeutet mehrere, speziell für Offshore-Konstruktionen ausgestattete Häfen. Gegenwärtig gibt es hier einen strukturellen Engpass, der den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa gefährdet. Lediglich die Niederlande verfügen über sechs große geeignete Häfen, die bereits für deutsche oder englische Offshore- Projekte genutzt werden. So musste beim Bau des ersten deutschen Offshore-Windparks alpha ventus auf den Hafen von Emshaven in den Niederlanden zurückgegriffen werden.
Neben Deutschland verfolgen auch andere Länder ambitionierte Ausbauziele bei der Offshore-Windenergie. So plant Großbritannien bis zum Jahr 2020 14.000 MW zu installieren, in den Niederlanden sind es 6.000 MW. Es ist daher absehbar, dass in Zukunft ein Ausweichen auf ausländische Häfen nur begrenzt möglich sein wird, da sie entweder zu weit entfernt, durch andere Aktivitäten bereits stark ausgelastet sind oder für nationale Offshore-Projekte genutzt werden. Die Verfügbarkeit von Häfen und einer geeigneten Hafeninfrastruktur können zu einem Bremsklotz für den weiteren Ausbau der Offshore- Windenergie in deutschen Gewässern werden.
Der Bedarf an einer modernen Offshore-Hafeninfrastruktur in Deutschland ist offensichtlich. Hiermit verbunden sind auch enorme wirtschaftliche Chancen für Hafenstädte und Küstenregionen verbunden. So werden neue, hoch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen in der Fabrikation und Montage an Land und auf See, oder bei der Zulieferindustrie, die sich am Hafenstandort ansiedeln würde. Denn Der Erfolg von Offshore-Projekten hängt im Wesentlichen davon ab, einen möglichst großen Anteil der Arbeiten bereits an Land durchzuführen. Nur mit einer gut ausgestatteten Hafenbasis ist es möglich, die Bauzeiten auf dem Meer zu verkürzen, die begrenzten Wetterfenster effizient zu nutzen und dementsprechend auch die Baukosten zu senken. Nach Installation der Offshore-Windparks ist auch eine geeignete Landbasis als Ausgangspunkt für Betrieb und Wartung erforderlich, von der aus der Windpark gesteuert und die Wartungstrupps per Schiff oder Helikopter zum Offshore-Windpark gelangen können.
Gelingt es eine moderne Offshore-Hafeninfrastruktur an der deutschen Küste zu entwickeln könnten von hier aus nicht nur Offshore-Projekte in deutschen Gewässern, sondern auch von anderen Anreinerstaaten der Nord- und Ostsee beliefert werden. Angesichts der geplanten Multi-Milliarden-Investitionen in Offshore-Windenergie in der Nord- und Ostsee ist eine moderne Offshore-Hafeninfrastruktur ein enormer Wachstumsmarkt und Beschäftigungsgarant.
Um den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa voranzubringen wird eine moderne Offshore-Hafeninfrastruktur benötigt, die unter anderem folgende Anforderungen erfüllen sollte:
- Räumliche Nähe zu den geplanten Offshore-Windparks, um einen schnellem Transport von Anlagen und Komponenten zu ermöglichen und die Nutzung von Wetterfenstern zu optimieren.
- Durchgehende Zugänglichkeit zum Hafenausgang.
- Ausreichende Flächen zur Lagerung von Fundamenten und Anlagenteilen.
- Montageflächen zur Fertigung, Bearbeitung und Endmontage von Fundamenten und Montage von Anlagenteilen.
- Flexibilität von Transport-, Bewegungs-, Montage- und Lagerflächen.
- Schwerlastkräne für Montage und Verladung.
- Werkshallen für Lagerung und Werkstätten.
- Kaimauern für das Anlanden von Hochseeschiffen sowie Anlegeplätze für Serviceschiffe.
- Helikopterlandeplätze für einen schnellen Zugang.
- Infrastruktur im Hafenhinterland für Schwerlasttransporte auf dem Landweg und die Ansiedelung von Zulieferern und Dienstleistern.
Bisher sind die Häfen in Deutschland noch nicht ausreichend für die Realisierung von Offshore-Projekten ausgestattet, die Anforderungen an eine moderne Offshore- Hafeninfrastruktur werden noch nicht erfüllt. Der geplante Ausbau des Bremerhavener Hafenareals ist daher als erster Schritt zu begrüßen.
Um den Ausbau der Offshore-Hafeninfrastruktur in Deutschland schnell voranzubringen sollte zügig ein Masterplan "Offshore-Hafeninfrastruktur" aufgestellt werden. Dieser könnte durch einen runden Tisch von Bund, betroffen Ländern, Kommunen und Unternehmen flankiert werden, um die Umsetzung des Masterplans zu begleiten und regionale Standortkonflikte auszuräumen.
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